Akkreditierte Prüflabore: Rolle und Grenzen der Konformitätsbewertung
4. April 2012
Die DIN EN ISO/IEC 17025 legt allgemeine Anforderungen an die Kompetenz von Prüf- und Kalibrierlaboren fest. Im Folgenden steht die Tätigkeit des akkreditierten Prüflabors als Konformitätsbewertungsstelle im Fokus.
Die Kernkompetenz eines Prüflabors ist das Prüfen – also die Ermittlung von Merkmalen eines Konformitätsbewertungsgegenstands nach definierten Verfahren. Der Geltungsbereich der Akkreditierung wird durch die in der Akkreditierungsurkunde aufgeführten Prüfmethoden und -verfahren bestimmt. Für diese hat die Akkreditierungsstelle die Kompetenz des Labors bestätigt.
Die Ergebnisse der Prüfungen werden in einem Prüfbericht dokumentiert, für den die Norm spezifische Mindestanforderungen definiert.
Prüfbericht und Zeugnis: Begriffe und Abgrenzung
Im Kontext von Konformitätsaussagen wird häufig zwischen Prüfbericht und Zeugnis unterschieden. Eine strikt normierte Abgrenzung existiert nicht. Aus der Analyse der relevanten Normen ergibt sich jedoch folgende praxisnahe Differenzierung:
- Prüfbericht (DIN EN ISO/IEC 17025): Enthält in seiner einfachsten Form ausschließlich Prüfergebnisse, ohne normative Bewertungsgrundlage und ohne explizite Konformitätsaussage.
- Zeugnis (DIN EN 10204 – Arten von Prüfbescheinigungen): Ergänzt die Prüfergebnisse um normative Bewertungsgrundlagen sowie eine Konformitätsaussage (z. B. „erfüllt“ / „nicht erfüllt“).
Im weiteren Verlauf wird – im Sinne der Normen DIN EN ISO/IEC 17000 und 17025 – einheitlich der Begriff Prüfbericht verwendet.
Inhalte und Aussagekraft des Prüfberichts
Der Prüfbericht ist das zentrale Dokument eines Prüflabors. Er bestätigt die Konformität eines Prüfgegenstands in Bezug auf definierte Anforderungen (Prüfmerkmale). Typische Inhalte sind:
- Verfahren zur Probenauswahl und zur Ermittlung der Eigenschaften,
- Darstellung und Bewertung der Prüfergebnisse, ggf. unter Berücksichtigung von Messunsicherheiten,
- Entscheidung über die Konformität.
In der Praxis fallen Bewertung und Entscheidung häufig in den Verantwortungsbereich derselben Person.
Meinungen und Interpretationen
Prüfberichte können zusätzlich Meinungen und Interpretationen enthalten. Die DIN EN ISO/IEC 17025 stellt hierzu klare Anforderungen:
- Sie müssen im Prüfbericht eindeutig als solche gekennzeichnet sein,
- sie dürfen nicht mit Inspektionen oder Produktzertifizierungen verwechselt werden,
- sie sollten ausschließlich von Personal mit erweiterten Systemkenntnissen, die üblicherweise deutlich über die Fachkompetenz des Laborpersonals hinausgehen, abgegeben werden.
Systemkenntnisse umfassen insbesondere Wissen über Herstellprozesse, Anwendungsbedingungen, typische Fehlerbilder, normative Anforderungen und relevante rechtliche Rahmenbedingungen.
Akkreditierung und Anforderungen an Prüflabore
Im Unterschied zur DIN EN ISO/IEC 17000 unterscheidet die DIN EN ISO/IEC 17025 nicht zwischen First-, Second- und Third-Party-Konformitätsbewertungsstellen. Entscheidend ist vielmehr, dass akkreditierte Prüflabore definierte Mindestanforderungen erfüllen. Diese betreffen insbesondere Qualitätsmanagement, Technik und Kompetenz.
Qualitätsmanagement
Die Anforderungen orientieren sich weitgehend an der DIN EN ISO 9001. Akkreditierte Prüflabore erfüllen deren Grundsätze, sind jedoch nicht automatisch nach ISO 9001 zertifiziert.
Technik und Kompetenz
- Fachkompetenz und Qualifikation des Personals (z. B. in der zerstörungsfreien Prüfung),
- Auswahl und Validierung geeigneter Prüf- und Probenahmeverfahren,
- Erfassung der Prüf- und Messergebnisse (inkl. Prüftechnik und Umgebungsbedingungen),
- Bewertung der Ergebnisse unter Berücksichtigung von Messunsicherheiten,
- Rückführung der Messergebnisse (z. B. Kalibrierung, Referenzmaterialien),
- Sicherstellung der Ergebnisqualität (z. B. durch Eignungsprüfungen),
- normgerechte Darstellung der Ergebnisse im Prüfbericht.
Neben dem Qualitätsmanagement ist insbesondere das strukturierte „Handling“ von Prüf- und Messdaten – also deren Erfassung, Sicherung, Rückführung und Darstellung – von zentraler Bedeutung.
Einordnung: Rolle und Grenzen des Prüflabors
Der Schwerpunkt eines nach DIN EN ISO/IEC 17025 akkreditierten Prüflabors liegt in:
- der normgerechten Prüfung von Eigenschaften eines konkreten Prüfgegenstands auf Basis akkreditierter Verfahren,
- der Erstellung von Prüfberichten, die die Ergebnisse für diesen spezifischen Gegenstand und Zeitpunkt dokumentieren.
Die Konformitätsaussage eines Prüfberichts bezieht sich dabei ausschließlich auf die geprüfte Probe bzw. das repräsentierte Herstellungs- oder Lieferlos. Eine Übertragung auf andere Proben, Lose oder zukünftige Zeitpunkte („Extrapolation“) ist nicht zulässig.
Typische Fragestellung aus der Praxis
Eine klassische Fragestellung an ein akkreditiertes Prüflabor lautet: „Entspricht die Festigkeit dieses Bauteils den Anforderungen der Norm N123?“
Das Prüflabor liefert darauf eine belastbare, methodisch abgesicherte Antwort – innerhalb des klar definierten Geltungsbereichs seiner Akkreditierung.
