Konformitätsbewertung und Schadensanalyse: Kompetenz und Präzision im Einsatz

2. Mai 2012

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Im Rahmen von Schadensanalysen werden Produkte, deren Einsatzbedingungen sowie Anforderungen an Produkte und Prozesse systematisch untersucht. Damit stellt sich die Frage, wie Schadensanalysen in die bisher beschriebenen Konformitätsbewertungen einzuordnen sind.

Hilfreich ist dabei eine Richtlinie des Vereins Deutscher Ingenieure, die Grundlagen, Begriffe und das Vorgehen bei Schadensanalysen beschreibt. VDI-Richtlinie 3822 definiert einen Schaden als „Veränderungen an einem Produkt, durch die eine oder mehrere seiner vorgesehenen Funktionen wesentlich beeinträchtigt oder unmöglich gemacht werden“.

Schritte einer systematischen Schadensanalyse

Die Richtlinie empfiehlt folgendes Vorgehen im Rahmen einer Schadensanalyse:

  1. Schadensbeschreibung: Dokumentation des Schadensbildes, der Positionen und Maße, Erfassung relevanter Betriebsdaten sowie Einordnung des Schadteils in das Gesamtsystem.
  2. Bestandsaufnahme: Erfassen der Rahmenbedingungen, Schadteilhistorie, Konstruktion, Werkstoff, Fertigung und Nutzung.
  3. Formulierung von Schadenshypothesen: Bewertung der Eintrittswahrscheinlichkeit und Nachweisbarkeit, ggf. Einbeziehung weiterer Sachverständiger.
  4. Durchführung von Prüfungen: Gezielte Probenentnahme und Auswahl geeigneter Prüfverfahren zur Erfassung von Werkstoff- und Gebrauchseigenschaften sowie Belastungen.
  5. Auswertung der Prüfergebnisse: Analyse der Ergebnisse in Bezug auf Normen, Spezifikationen und Schadenshypothesen; ggf. Anpassung der vorherigen Schritte.
  6. Ermittlung der Schadensursachen: Priorisierung der Ursachen und Identifizierung schadensbegünstigender Einflüsse.
  7. Ableitung von Handlungsempfehlungen: Hinweise zu Werkstoffen, Konstruktion, Fertigung oder Betriebsbedingungen zur Schadensverhütung.
  8. Erstellung des Berichts: Zusammenfassung von Problemstellung, Untersuchungen, Bewertung, Schadensursachen und Präventionshinweisen.

Obwohl die VDI-Richtlinie 3822 als normative Basis DIN EN ISO 9001 und DIN EN ISO/IEC 17025 heranzieht, geht eine Schadensanalyse deutlich über eine einfache Prüfung– also der Ermittlung von Merkmalen am Gegenstand einer Konformitätsbewertung nach einem Verfahren – hinaus. Die VDI-Richtlinie selbst ordnet die Schadensanalyse einer Sachverständigentätigkeit zu.

Schadensanalyse als „Rückwärts-Inspektion“

Vergleicht man die Schadensanalyse mit den anderen Konformitätsbewertungen, zeigt sich ihre Nähe zur Inspektion. Sie unterscheidet sich von der klassischen Prüfung vor allem durch die Komplexität des Bewertungsprozesses und die Bewertung nach allgemeinen Anforderungen, die eine sachverständige Beurteilung erfordert.

Eine typische Fragestellung lautet: „Warum versagte dieses Bauteil im Betrieb, und wie lässt sich das zukünftig verhindern?“ Diese ist vergleichbar mit der Frage an eine akkreditierte Inspektionsstelle: „Ist die Festigkeit dieses Bauteils ausreichend, um unter typischen Betriebsbedingungen zuverlässig zu funktionieren?“

Man kann die Schadensanalyse daher als eine „sachverständige Rückwärts-Inspektion“ interpretieren, die nicht nur das Produkt, sondern auch die Prozesse, Nutzung und Rahmenbedingungen in den Blick nimmt.

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