Ein Physiker, zwei Nobelpreise: Zur Erinnerung an John Bardeen

30. Januar 2011

John Bardeen demonstriert den Widerstand im Dezember 1947 während seiner Tätigkeit bei den Bell Labs.

John Bardeen demonstriert den Widerstand im Dezember 1947 während seiner Tätigkeit bei den Bell Labs.

Heute jährt sich der 20. Todestag des Physikers John Bardeen (23.05.1908-30.01.1991). Das ruft gelegentlich eine typische Reaktion hervor: „John wer …?“

Während Namen wie Isaac Newton oder Albert Einstein vielen Menschen geläufig sind, ist Bardeen außerhalb der Fachwelt vergleichsweise wenig bekannt. Das ist erstaunlich – und eigentlich auch ungerecht. Denn Bardeen gehört ohne Zweifel zu den herausragenden Physikern des 20. Jahrhunderts.

Der Transistor – Grundlage der digitalen Welt

John Bardeen war ein Festkörperphysiker und einer der Erfinder des Transistors. Für diese bahnbrechende Erfindung erhielt er 1956 gemeinsam mit seinen Kollegen William Bradford Shockley und Walter Houser Brattain von den Bell Telephone Laboratories den Nobelpreis für Physik.

Die Bedeutung dieser Erfindung lässt sich kaum überschätzen: Der Transistor bildet die Grundlage der modernen Elektronik und damit auch des Computerzeitalters. Von Computern über Smartphones bis hin zu Kommunikationsnetzwerken – große Teile unserer heutigen technischen Infrastruktur beruhen letztlich auf diesem Bauelement.

Die Theorie der Supraleitung

Doch Bardeens wissenschaftliche Karriere umfasst noch eine zweite außergewöhnliche Leistung. Auf dem Gebiet der theoretischen Physik entwickelte er gemeinsam mit Kollegen eine quantentheoretische Erklärung der Supraleitung.

Für diese Arbeit erhielt er 1972 ein zweites Mal den Nobelpreis für Physik. Die nach den Anfangsbuchstaben der drei beteiligten Wissenschaftler (John Bardeen, Leon Neil Cooper und John Robert Schrieffer) benannte BCS-Theorie beschreibt das kollektive Verhalten von Elektronen in Festkörpern und gilt bis heute als eine der großen theoretischen Leistungen der Quantenphysik.

Einzigartig in der Geschichte der Physik

John Bardeen ist bis heute der einzige Wissenschaftler, der zweimal mit dem Physik-Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Zudem gelang ihm Außergewöhnliches sowohl in der experimentellen als auch in der theoretischen Forschung – eine Kombination, die selbst unter Nobelpreisträgern selten ist.

Hinzu kommt der enorme praktische Einfluss seiner Arbeiten: Die technischen Konsequenzen der Transistorentwicklung prägen unseren Alltag bis heute unmittelbar. Ohne sie wären moderne Computer, Smartphones oder globale Datennetze kaum vorstellbar.

Große Leistungen – wenig öffentliche Bekanntheit

Trotz dieser herausragenden Beiträge ist John Bardeen außerhalb seiner Fachdisziplin nur wenigen Menschen ein Begriff. Die öffentliche Aufmerksamkeit verteilt sich oft anders, als es der wissenschaftlichen Bedeutung entsprechen würde.

Oder anders gefragt: Wie viele Follower hätte Bardeen heute in sozialen Netzwerken? Popstars erreichen dort Millionen – wissenschaftliche Pioniere hingegen bleiben oft im Hintergrund. Dabei wirkt das Vermächtnis von John Bardeen jeden Tag weiter – in praktisch jedem elektronischen Gerät, das wir benutzen.

 

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