Was ist eigentlich statistische Prozessregelung?

5. Januar 2016

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Die statistische Prozessregelung (Statistical Process Control, SPC) ist ein auf mathematisch-statistischen Grundlagen basierendes Instrument, um einen bereits optimierten Prozess durch kontinuierliche Beobachtung und gezielte Korrekturen in diesem optimierten Zustand zu halten. Zentrales Hilfsmittel sind verschiedene Arten von Qualitätsregelkarten.

Wichtig ist die Einordnung: Eine unmittelbare Prozessverbesserung im Sinne grundlegender Änderungen kann durch SPC nicht erreicht werden. Die Methode wird in der laufenden Fertigung (Serienfertigung) – also nach Festlegung der Prozesseinstellungen – eingesetzt. Größere Eingriffe in den Prozess sind zu diesem Zeitpunkt nicht mehr vorgesehen. Stattdessen geht es darum, kleinere Abweichungen auszuregeln und Ansatzpunkte für nachhaltige Verbesserungen zu identifizieren.

Streuung als statistische Grundlage

Grundlage der statistischen Prozessregelung ist die Beobachtung, dass sowohl bei der Herstellung als auch bei der anschließenden Vermessung von Bauteilen Unterschiede des betrachteten Qualitätsmerkmals auftreten. Der tatsächliche gemessene Wert (Istwert) entspricht daher nicht zwangsläufig dem angestrebten Sollwert, etwa einem Zeichnungsmaß. Dieses Abweichungsverhalten eines Qualitätsmerkmals vom Sollwert wird als Streuung bezeichnet.

Gerade in der Metallographie und Werkstoffprüfung ist dieses Verständnis entscheidend: Messwerte sind nie absolut konstant, sondern unterliegen systematischen und zufälligen Einflüssen. Die statistische Bewertung dieser Streuung ermöglicht eine belastbare Einschätzung der Prozessstabilität.

Zufällige und systematische Einflüsse unterscheiden

Für das Auftreten von Streuung kommen zwei Einflussarten in Betracht: zufällige und systematische. Zufallseinflüsse setzen sich aus vielen kleinen, permanent vorhandenen Einzeleinflüssen zusammen. Sie sind im Zeitablauf stabil und in ihrer Gesamtwirkung vorhersagbar, jedoch nicht gezielt beeinflussbar. Man spricht hier von natürlicher Streuung.

Systematische Einflüsse hingegen lassen sich meist auf einen oder wenige dominante Ursachen zurückführen. Sie treten unregelmäßig auf und machen den Prozess instabil und nicht vorhersagbar. Im Gegensatz zur natürlichen Streuung können die Ursachen systematischer Einflüsse identifiziert und beseitigt werden.

Dabei hilft die statistische Prozessregelung, deren Hauptaufgabe die kontinuierliche Beobachtung der Prozessstreuung und in der klaren Unterscheidung zwischen zufälligen und systematisch bedingten Abweichungen.

Qualitätsregelkarten als zentrales Werkzeug

Zur Durchführung der statistischen Prozessregelung werden Stichproben aus dem laufenden Prozess entnommen, präzise vermessen und die Messergebnisse in einer Qualitätsregelkarte dokumentiert. Diese Formblätter enthalten zusätzlich eingezeichnete Warn- und Eingriffsgrenzen.

Wichtig: Diese Grenzen sind keine Toleranzen, sondern bilden die statistischen Grenzwerte der natürlichen Prozessstreuung ab. Liegt ein Stichprobenergebnis außerhalb der Eingriffsgrenzen, ist dies ein deutlicher Hinweis auf einen systematischen Einfluss. In diesem Fall ist ein unmittelbares Eingreifen erforderlich, um die Prozessstabilität wiederherzustellen.

Fazit: Vom Prozess zur qualitätsgeführten Produktion

Ziel der statistischen Prozessregelung ist es, einen statistisch kontrollierten und damit qualitätsfähigen Prozess dauerhaft zu sichern. Durch die kontinuierliche Überwachung mittels Qualitätsregelkarten, die Bewertung der Messergebnisse und geeignete Korrekturmaßnahmen entsteht ein geschlossener Regelkreis.

Der Fertigungsprozess wird damit nicht nur überwacht, sondern aktiv geführt. Das Ergebnis ist eine qualitätsorientierte, fertigungsintegrierte Qualitätssicherung – ein entscheidender Faktor für reproduzierbare Ergebnisse und nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit in anspruchsvollen technischen Umfeldern.

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