{"id":207,"date":"2012-07-17T09:29:13","date_gmt":"2012-07-17T07:29:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.werkstoff-blog.de\/?p=207"},"modified":"2026-04-02T09:10:41","modified_gmt":"2026-04-02T07:10:41","slug":"was-sind-eigentlich-messunsicherheiten-teil-2-generelles-vorgehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.werkstoff-service.de\/blog\/was-sind-eigentlich-messunsicherheiten-teil-2-generelles-vorgehen\/","title":{"rendered":"Was sind eigentlich \u2026 Messunsicherheiten? Teil 2 \u2013 Generelles Vorgehen"},"content":{"rendered":"<p>Der erste Teil des Beitrages begann mit dem Satz:&nbsp;<em>Die Messunsicherheit beschreibt die Genauigkeit einer Messung&#8230;<\/em>&nbsp;Aber was bedeutet&nbsp;<strong>Genauigkeit<\/strong>? Ein Messergebnis ist genau, wenn es sowohl richtig als auch pr\u00e4zise ist!<\/p>\n<p>Die&nbsp;<strong>Richtigkeit&nbsp;<\/strong>ist ein Ma\u00df daf\u00fcr, wie gut der Mittelwert mehrerer Messungen einen Sollwert (z. B. den \u201erichtigen Wert\u201c einer Referenzprobe) trifft. Die&nbsp;<strong>Pr\u00e4zision&nbsp;<\/strong>beschreibt die Streuung der einzelnen Messwerte um diesen Mittelwert unter der Voraussetzung, dass man die Messungen unter identischen Bedingungen wiederholt.<\/p>\n<p>Die&nbsp;<strong>Messunsicherheit&nbsp;<\/strong>setzt eine m\u00f6glichst hohe Richtigkeit des Messprozesses voraus und beschreibt auf der Basis dieses \u201erichtigen Messprozesses\u201c die Abweichungen der einzelnen Messwerte bzw. Mittelwerte vom wahren Wert (<a href=\"https:\/\/www.werkstoff-blog.de\/blog2\/dr-ingo-poschmann\/start49\/was-sind-eigentlich-%E2%80%A6-messunsicherheiten-teil-1-%E2%80%93-grunds%C3%A4tzliche-bemerkungen\/#profileContent\">siehe Teil 1<\/a>). Die Messunsicherheit beschreibt also&nbsp;nicht&nbsp;die Ungenauigkeit oder Fehlerhaftigkeit von Messprozessen, sondern ganz im Gegenteil das Ma\u00df an (m\u00f6glichst hoher) Sicherheit, das mit der Messung verbunden ist!<\/p>\n<p>Das generelle Vorgehen bei der Ermittlung von Messunsicherheiten k\u00f6nnen wir in 7 Schritten zusammenfassen:<\/p>\n<p>Schritt 1<br \/>\n<strong>Festlegung des Messverfahrens<\/strong>, mit dem wir z. B. eine physikalische Gr\u00f6\u00dfe ermitteln wollen. Am Beispiel erkl\u00e4rt: Wenn wir die Masse m eines K\u00f6rpers messen wollen, so k\u00f6nnten wir z. B.:<br \/>\n<strong>\u2022&nbsp;<\/strong>Dichte \u03c1 und Volumen V ermitteln und damit berechnen: m = \u03c1 \u22c5 V<br \/>\n<strong>\u2022&nbsp;<\/strong>Gewichtskraft F und Fallbeschleunigung g ermitteln und damit berechnen: m = F \/ g<\/p>\n<p>Schritt 2<br \/>\n<strong>Korrekte Einstellung der Messger\u00e4te<\/strong>, denn die Bestimmung aussagef\u00e4higer Messunsicherheiten setzt eine richtige Messung voraus. Diese Einstellung kann mit Referenzproben oder Referenzverfahren erfolgen oder durch eine Kalibrierung der Ger\u00e4te \u2013 z. B. durch ein akkreditiertes Kalibrierlabor, das wiederum Referenzproben oder Referenzverfahren benutzt \u2026<\/p>\n<p>Schritt 3<br \/>\n<strong>Ermittlung aller Einflussgr\u00f6\u00dfen<\/strong>, die Auswirkungen auf die Messung haben. Auch hier am Beispiel erkl\u00e4rt: Wenn wir die Gewichtskraft F mit einer Waage messen, dann m\u00fcssen wir uns u. a. Gedanken machen \u00fcber:<br \/>\n<strong>\u2022&nbsp;<\/strong>die Genauigkeit der Mechanik bzw. Elektronik der Waage<br \/>\n<strong>\u2022&nbsp;<\/strong>die Art und Weise, wie und wo wir den K\u00f6rper auf die Waage stellen<br \/>\n<strong>\u2022&nbsp;<\/strong>die Genauigkeit der Referenzmasse, mit der die Waage \u00fcberpr\u00fcft wird<br \/>\n<strong>\u2022&nbsp;<\/strong>der Auftrieb des K\u00f6rpers<\/p>\n<p>Schritt 4<br \/>\n<strong>Ermittlung der Verteilungsfunktionen<\/strong>&nbsp;f\u00fcr diese Einflussgr\u00f6\u00dfen (Normalverteilung, Rechteckverteilung, Dreieckverteilung, \u2026)<strong>&nbsp;und der Standardabweichungen<\/strong>, mit denen die Einflussgr\u00f6\u00dfen streuen. Bezogen auf eine normalverteilte Gr\u00f6\u00dfe bedeutet das, dass mit einer Sicherheit bzw. Signifikant von ca. 68% (\u00b11\u22c5\u03c3) gearbeitet wird.<\/p>\n<p>Schritt 5<br \/>\n<strong>\u00dcberpr\u00fcfung auf Korrelationen zwischen den Einflussgr\u00f6\u00dfen.<\/strong>&nbsp;Das bedeutet, es ist zu pr\u00fcfen, ob die Einflussgr\u00f6\u00dfen abh\u00e4ngig (korreliert) oder unabh\u00e4ngig voneinander sind. Wird z. B. f\u00fcr die \u00dcberpr\u00fcfung von zwei Einflussgr\u00f6\u00dfen ein und derselbe Referenzk\u00f6rper benutzt, dann sind diese Gr\u00f6\u00dfen nicht mehr unabh\u00e4ngig voneinander. Korrelierte Einflussgr\u00f6\u00dfen machen die Bestimmung der Messunsicherheit komplizierter &#8211; also m\u00f6glichst vermeiden!<\/p>\n<p>Schritt 6<br \/>\n<strong>Berechnung der einfachen Messunsicherheit<\/strong>&nbsp;aus den Standardunsicherheiten der Einflussgr\u00f6\u00dfen. F\u00fcr Einflussgr\u00f6\u00dfen, die voneinander unabh\u00e4ngig sind, gilt:<br \/>\n<strong>\u2022&nbsp;<\/strong>Die mittlere Messunsicherheit ist die Wurzel aus der Summe der Quadrate der Standardabweichungen der Einflussgr\u00f6\u00dfen. Dieses Vorgehen ist das \u201c\u00fcbliche Vorgehen\u201c<br \/>\n<strong>\u2022&nbsp;<\/strong>Die maximale Messunsicherheit ergibt sich aus der Addition der Standardabweichungen<\/p>\n<p>Schritt 7<br \/>\n<strong>Festlegung der erweiterten Messunsicherheit&nbsp;<\/strong>und damit eines erweiterten Vertrauensintervalls in dem ein erh\u00f6htes Vertrauensniveaus (eine erh\u00f6hte Signifikanz) gilt. In der Laborpraxis ist ein Faktor 2 \u00fcblich, mit dem die einfache Messunsicherheit multipliziert wird. Dieser Faktor 2 (oder \u00b1 2\u22c5\u03c3 oder ca. 95%) bedeutet, dass sich der wahre Wert der Messgr\u00f6\u00dfe mit etwa 95%iger Wahrscheinlichkeit (Vertrauensniveau) innerhalb des Intervalls befindet, das durch die Messunsicherheit definiert wird (Vertrauensintervall).<\/p>\n<p><strong>Das Higgs-Teilchen &#8211; der etwas anderer Blick auf Messunsicherheiten<\/strong><\/p>\n<p>Derzeit ist das Higgs-Teilchen oder auch Gottesteilchen, wie es aus Marketinggr\u00fcnden genannt wird, in aller Munde. Zwei Forscherteams mit jeweils ca. 2500 Wissenschaftlern arbeiten an den beiden Detektoren (ATLAS und CMS) des LHC, und haben beide ein Teilchen mit einer Energie von 125 GeV nachgewiesen (so wie es f\u00fcr das Higgs-Teilchen vorausgesagt wird) &#8211; das eine Team mit einer Signifikanz von 5\u22c5\u03c3, das andere Team mit einer Signifikanz von 4,9\u22c5\u03c3.<\/p>\n<p>Erst wenn die Signifikanz f\u00fcr beide Teams \u00fcber 5\u22c5\u03c3 liegt, wird das Ergebnis als die Entdeckung des Higgs-Teilchens anerkannt. Was bedeutet das? Das bedeutet, erst wenn sich beide Teams mit einer Signifikanz von mehr als&nbsp;<strong>\u00b1 5\u22c5\u03c3 oder 99,999943%<\/strong>&nbsp;ihrer Messungen sicher sind, gibt es Nobelpreise \u2013 wahrscheinlich einen f\u00fcr Peter Higgs (obwohl noch 5 andere Theoretiker diese Idee hatten) und sicher einen f\u00fcr einige Experimentalphysiker des CERN.<\/p>\n<p>Den n\u00e4chsten der Serie &#8222;<strong>Was sind eigentlich &#8230; Messunsicherheiten?<\/strong>&#8220; finden Sie unter diesem&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.werkstoff-blog.de\/blog2\/dr-ingo-poschmann\/start53\/was-sind-eigentlich-%E2%80%A6-messunsicherheiten-teil-3-%E2%80%93-analytische-ermittlung-der-messunsicherheit-f%C3%BCr-die-leitf%C3%A4higkeit\/#profileContent\">Link zum Teil 3<\/a><\/p>\n<p><strong>Ein Hinweis in eigener Sache<\/strong><br \/>\nInformationen zu unserem Anwenderseminar \u201eMessunsicherheiten in der Werkstoffpr\u00fcfung\u201c finden sich unter&nbsp;<a class=\"externalURL\" href=\"http:\/\/www.messunsicherheit.info\/\">www.messunsicherheit.info<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der erste Teil des Beitrages begann mit dem Satz: Die Messunsicherheit beschreibt die Genauigkeit einer Messung\u2026 Aber was bedeutet Genauigkeit? 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Teil 2 \u2013 Generelles Vorgehen - Werkstoff Service Blog<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.werkstoff-service.de\/blog\/was-sind-eigentlich-messunsicherheiten-teil-2-generelles-vorgehen\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Was sind eigentlich \u2026 Messunsicherheiten? Teil 2 \u2013 Generelles Vorgehen - Werkstoff Service Blog\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Der erste Teil des Beitrages begann mit dem Satz: Die Messunsicherheit beschreibt die Genauigkeit einer Messung\u2026 Aber was bedeutet Genauigkeit? 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